Novecento - Die Legende vom Ozeanpianisten
Kategorie: Archiv
Von Alessandro Baricco
Regie: Martin Maria Blau
Mit Thomas Borchert
„Es ist ein Rausch, eine Hymne an die Musik, die Leidenschaft und die Freundschaft – verrückt, emotional, nachdenklich“ schreibt das Hamburger Abendblatt über Alessandro Baricco’s Buch Novencento – die Legende vom Ozeanpianisten. Und Thomas Borchert sagt über Novecento“: Das ist mein Stück!
Novecento - man schreibt das Jahr 1900. Auf dem Flügel im Ballsaal des Ozeandampfers „Virgian“ findet der Matrose Danny Boodmann eine Pappschachtel mit dem Aufdruck ‚TD Lemon’, in der ein Baby liegt. Boodmann beschließt, sein Findelkind großzuziehen und tauft es kurzerhand: Danny Boodmann T. D. Lemon Novecento.
Novecento war gerade mal acht Jahre als Boodmann starb und zum zweiten Mal Waise. Von Bord ging er nie aus Angst, man könne ihn wegen irgendwelcher Visageschichten festnehmen. Er hatte kein Heimatland, keinen Geburtsnamen, keine Familie. Er existierte, aber offiziell war er nie geboren. Sein ganzes Leben ging er nicht von Bord – seine Welt war seine Musik. Seine Berufung: Ozeanpianist.
Und wer meint, Novencento würde die Welt nicht kennen, irrt. Die Welt kam zu ihm aufs Schiff. Er spionierte sie aus und stahl der Welt ihre Seelen. Er konnte zuhören, er konnte Menschen lesen. Die Zeichen verstehen, die sie mit sich herumtrugen: Orte, Geräusche, ihr Land, ihre Geschichten... und so fügte er Tag für Tag ein Stückchen Welt in seinem Kopf hinzu. Alles Aufgenommene fand Ausdruck in seiner einzigartigen Musik. Schnell hatte es sich in Europa und Amerika herum gesprochen, dass es auf der Virgian einen begnadeten Pianisten gab, der so wundervolle Musik spielte, die man „Jazz“ nannte, die er hauptsächlich für die Auswanderer in der dritten Klasse spielte. Die „Entseelten“ lauschten seiner Musik und merkten nicht, dass Novencento ihr vielleicht gerade ihr Leben spielte.
Ein einziges Mal entschließt er sich, von Bord zu gehen, um das Meer von einer anderen Perspektive zu erleben. Doch noch auf dem Steg kehrt er um. „Ich bin auf diesem Schiff geboren. Und hier kam die Welt vorbei. Aber immer nur zweitausend Leute auf einmal. Ich habe keine Angst vor dem, was ich sehe, sondern vor dem, was ich nicht sehe. Du lieber Himmel, schon allein diese vielen Straßen, Tausende gibt es davon, wie schafft man es bloß, sich eine auszusuchen? Ein Klavier mit den 88 Tasten ist nicht unendlich. Wenn diese Klaviatur unendlich ist, dann gibt es auf dem Klavier keine Musik, die du spielen kannst. Das ist das Klavier, auf dem Gott spielt. Die Welt hat kein Ende. Das Land ist ein Schiff, das zu groß für mich ist.“
Mit einem seltsamen Lächeln ging er wieder zurück und verschwand im Schiff. Er setzte sich ans Klavier und fing an zu spielen. Er spielte wie nie zuvor. Er fing an, die Musik seines Lebens zu spielen.
Stelle Dir vor: Ein Klavier. Die Tasten fangen an.Die Tasten hören auf. Sie sind achtundachtzig. Du bist unendlich.
Pressestimmen:
"Ohne große Show brachte Borchert erzählend und am Flügel spielend das Wort zum Klingen. Gebannt lauschte ihm das Publikum und sprang zur Schlussovation automatisch auf die Beine." Hamburger Abendblatt
"So romantisch entrückt wie die Kammerspiele-Besucher an diesem Abend müssen sich einst die Passagiere auf dem Luxusdampfer "Virginian" gefühlt haben. Sie hörten auf ihren Fahrten zwischen Europa und Amerika den unvergleichlichen Novecento spielen, der sie mit seiner Musik bezauberte. Ein ähnliches Kunststück gelingt nun Star Thomas Borchert: An den Kammerspielen bringt der Musicalstar "Die Legende vom Ozeanpianisten" derart hinreißend auf die Bühne, dass er am Schluss vom Premierenpublikum mit Standing Ovations gefeiert wurde. Als charmantem und humorvollem Entertainer gelingt es Thomas Borchert vom ersten Moment an, die Zuschauer zu faszinieren und in Alessandro Bariccos wunderschön poetische Geschichte hineinzuziehen." Hamburger Morgenpost
Foto: Oliver Fantisch